In Signo Leonis 1999 gewinnt Premiumrotwein - Trophy 
Endlich große Österreicher
Nach der frühen Euphorie um den Jahrhundert-Jahrgang 2000 ist es um die Gewächse aus dem an sich ebenfalls sehr guten Rotweinjahr 1999 etwas ruhiger geworden. Zu Unrecht, wie wir nach einer gründlichen Bestandsaufnahme meinen. In ihrem kühlen Fruchtcharme und ihrer Geschmeidigkeit und Eleganz werden sie sich zwar stets von den ungemein voluminösen und üppigen 2000ern abheben, die Frühform der besten Repräsentanten lässt aber schon jetzt mutmaßen, dass sie in naher Zukunft die zwar eine Spur kraftvolleren, aber nicht so ausgewogenen und geschliffenen Pendants aus dem letzten ausgezeichneten Rotweinjahr 1997 übertreffen könnten.
Dieses vorweggenommene Resümee bezieht sich bei einem Feld von rund 150 Rotweinen, das naturgemäß nicht völlig homogen sein kann, vorbehaltlos nur auf die „bessere Hälfte“ der bewerteten Weine. Auch innerhalb der Gruppe der mit dem Prädikat „Sehr gut“ gekennzeichneten Rotweine gibt es schon einige – vermutlich aufgrund der späten Ernte im „El-Niño“-Herbst 1999 – mit etwas glasig und hart anmutendem Charakter und eher spröden Gerbstoffen, wodurch das Gesamtbild ein wenig getrübt wird. Alles in allem sind die 99er aber unbestritten durch ihren delikaten Fruchtschmelz, ihre Balance und vor allem die ihnen innewohnende Finesse (die bei manchen 2000ern noch das große Fragezeichen bilden wird) spontan ansprechend und attraktiv.
Wenn man das Ranking der Topweine betrachtet, so fällt auf, dass von den wenigen reinsortigen Blaufränkern gleich drei(!) unter den ersten Fünf zu finden sind – den fabelhaften „Perwolff“, der ja rechtlich gesehen ohne weiteres als Blaufränkischer bezeichnet werden könnte, haben wir der Einfachheit halber gleich inkludiert – ein Blaufränkisch-Furioso, das wir ehrlich gesagt erst vom 2000er, dem fraglos größten Blaufränkisch-Jahrgang der önologischen Neuzeit, erwartet hätten.
Noch bemerkenswerter finde ich den Umstand, dass in der absoluten Spitzengruppe hauptsächlich Weine mit sehr kräftiger, wenn auch reifer Tanninstruktur zu finden sind. Offenbar hat die Tendenz der österreichischen Winzer, früh entwickelnde „Faserschmeichler“ zu erzeugen und die Bereitschaft der Juroren, diese dann auch besonders hoch zu bewerten, ihren Höhepunkt schon überschritten. Ich würde diese Entwicklung begrüßen, denn so massive und strukturierte Gewächse, wie „In Signo Leonis“, „Goldberg“ oder „Mariental“, sollten auf Grund des Reifepotenzials in zehn und mehr Jahren jene repräsentativen Weine sein, die Verfeinerungsmöglichkeiten und Ausbaureserven österreichischer Weine demonstrieren könnten.
Auch hat sich die Jury des Rotweinfinales offensichtlich sehr darum bemüht, die Weine auch nach ihrer Standfestigkeit und zu erwartenden Evolution zu bewerten. Manche haben im Glas nach einigen Minuten ungemein zugelegt. Musterbeispiele sind die Topweine der Häuser Prieler und Iby. Andere sehr renommierte Gewächse härterer Stilistik, denen ich aufgrund der Fassproben eine sehr schöne Zukunft voraussagen würde – hier sind der „Bela Rex“ von Albert Gesellmann, der „Comondor“ von „John“ Nittnaus, der „Olivin“ von Georg Winkler-Hermaden oder der „CMB“ von Rosi Schuster Musterfälle –, haben auch nach geduldigem Zuwarten ihr wahres Gesicht nicht gezeigt und wurden deshalb verständlicherweise unterschiedlich beurteilt. Aufgefallen ist auch, dass einige Spitzenwinzer ihren Ausbaustil behutsam verändert haben. So hatten wir beispielsweise den „Gabarinza“ von Gernot Heinrich weicher, den „Admiral“ von Josef Pöckl dafür härter in Erinnerung, während wiederum andere Kapitäne ihre Flaggschiffe unbeirrbar auf Kurs hielten: Passende, wenn auch generalisierende Schlagworte wären etwa feingliedrig-schlanke, elegante Stilistik für das Haus Kollwentz, eine kraftvolle, tanninstrenge Ausbauweise für das Weingut Krutzler oder eine runde, einschmeichelnde Typizität für Gerhard Markowitsch.
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 Österreichs unglaublichster Nichtwinzer (Ausgabe 5/2001)
Heribert Bayer, der Négociant Éleveur aus Baden bei Wien, ist momentan Österreichs erfolgreichster „Winzer ohne Reben“.
Mit lagerfähigen Rotweincuvées mit Namen wie "In Signo Leonis" oder "Titan" sorgt er seit einigen Jahren für positive Abwechslung im boomenden heimischen Rotweinmarkt.
Wenn es einen Ort gibt, den man als den Kreißsaal für künftige Kultweine bezeichnen könnte, dann der Keller des Wiener Restaurant Steirereck. Sommelierlegende Adi Schmid fungiert dort als routinierte Hebamme. Neue Weine, die er seinen Stammgästen unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit vorstellt, erlangen in aller Regel rasch die vom Winzer ersehnte Bekanntheit und Nachfrage. Heribert Bayer ist dank seiner Liebe zu gehobener Kulinarik im Gourmettempel am Donaukanal schon seit langen Jahren ein gern gesehener Gast. Um so höflicher dürfte man seinem Wunsch entsprochen haben, seinen Erstlingswein In Signo Leonis 1994 in die Weinkarte aufzunehmen, den er an einem grauen Dezembernachmittag 1997 - natürlich im Steirereck - im kleinen interessierten Kreise präsentierte. Die Kenner unter den Premierengästen staunten nicht schlecht, nachdem sie die ersten Schlückchen probiert hatten: ein Wein von internationalem Format funkelte in ihren Gläsern.
Doch der Weg bis dahin war ein langer und ganz sicher kein gerader: Schon der Herr Papa war Weinliebhaber und hat seinen Sohn behutsam an den Wein herangeführt. Nach dem Eintritt ins Berufsleben zählte für den jungen Heribert Bayer der Wein zunächst nicht so sehr. Erst in den siebziger Jahren - als er für internationale Petrochemie-Konzerne in Österreich und Osteuropa arbeitete, bekam das Thema wieder mehr Bedeutung. Er musste Geschäftsfreunde zum Essen ausführen und dabei machte er rasch eine interessante Erfahrung: Weißwein aus heimischen Rieden kam an, aber den österreichischen Rotwein goutierten die Herren nicht so sehr. Man bat höflich, aber bestimmt, um solchen aus Italien oder Frankreich.
Das rührt einen echten Weinfreund am Nationalstolz. Er begann sich also in seiner Freizeit intensiv mit Önologie und Kellertechnik im Selbststudium zu beschäftigen, die Suche nach dem österreichischen Rotwein mit Potenzial beginnt. Wenig später brach über dem unbekümmerten Weinland Österreich der Weinskandal herein. Bald darauf finden wir Heribert Bayer in Mörbisch in einem Weinkeller, wo er auf Franz Schindler einredet, ihn beschwört: „Wir müssen arbeiten wie die Rotweinmacher im Ausland. “ Das Phantom des biologischen Säureabbaus geistert durch den Keller. Diese Form der Vergärung ist international bei Rotwein üblich - nicht in Klosterneuburg, wo man standhaft behauptete, dass die Malolaktik den Wein negativ beeinflusst. Als dann auch noch Barrique zum Thema wurde, tönte Vater Schindler ängstlich und warnend: „Buama, tat’s ma nicht den Wein vahunz’n!“ Doch die junge Generation zeigte sich unbeeindruckt und verhunzte mutig darauf los. 1985 wurden die ersten sechs Barrique mit Blaufränkisch gefüllt. Es war die Geburtsstunde des Schindler’schen Cuvée d’Or. Dieser Wein wurde auf Anhieb Zweiter beim Falstaff-Rotwein-Preis. Es war wohl der erste Rotwein in Österreich, der zwölf Monate lang im Barrique, halb Limousin, halb Allier, verbrachte. Das neue Produkt wurde in der Gastronomie lanciert, diese nahm es wohlwollend auf. Aus Heribert Bayer war soeben ein Weinberater, ein Konsulent geworden.
Im Januar 1987 lernte Bayer rein zufällig den damals noch recht unbekannten Josef Umathum kennen. Er hatte beruflich in der Nähe von Halbturn zu tun und weil Umathum mit seinem Zweigelt 1986 bei Falstaff gut erwähnt worden war, schaute er aus Interesse im Weingut vorbei. Es ergab sich ein angeregtes Gespräch, es folgte eine Verkostung des Zweigelt. Der beste Wein war ein anderer, der noch in einem Barrique lag, dieser hatte es Bayer schnell angetan. Es folgte eine Übereinkunft zur Beratung, das Ergebnis war 1986 Hallebühel. Diese Kooperation ging bis in die späten 80er Jahre. Auf einer Piemontreise lernt Bayer 1987 Hans Feiler aus Rust kennen, der immer sagte: „Mir kommt kein Barrique ins Haus!“.
Wenig später läutete bei Bayer das Telefon. „Ich glaube, wir haben jetzt einen Wein im Keller, dem könnte vielleicht das Holz ganz gut tun!“. Bald darauf war der erste Solitaire geboren. Es folgte eine Zusammenarbeit mit den Winzern Josef Pöckl aus Mönchhof und dem Traiskirchner Winzer Stadlmann.
Anfang 1994 stellte sich für den Weinfreund Bayer die Frage: „Soll ich ein eigenes Produkt erzeugen oder nicht ?“ Der Zufall spielte ihm bei Franz Sommer in Mörbisch eine Jungweincharge aus einem alten Weingarten in die Hände. Bayer kaufte den Pinot Noir, der sonst nur als einfache Qualität vermarktet worden wäre und unterzieht ihn seiner bewährten Sonderbehandlung. In Signo Leonis war geboren, dieser 1994er wurde erst im Jahr 1997 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Das war der echte Startschuss für Heribert Bayer’s eigene Weinserie. Nun traten Pepi Tesch und Franz Heincz, der Kellermeister und der Obmann der WG Neckenmarkt auf den Plan: für Bayer bedeutete diese neue Kooperation Zugang zu den besten Lagen am Hochberg von Neckenmarkt. Das Material aus den alten Reben machte sich in Form von mehr Tannin im Wein der Bayer-Chargen positiv bemerkbar: aus dem Jahrgang 1997 entstand der klassische Blaufränkische Sails Red, und die Neckenmarkter Cuvée In Signo Leonis 1997. Bayer hat jetzt wieder Geschmack am Rotwein machen gefunden und entschließt sich, auch wieder beratend tätig zu werden. Mit dem Ruster Gastronom und Neo-Winzer Erich Giefing entwickelt er 1997 die Linie Cardinal und Große Reserve, ganz nebenbei entstanden rund 1500 Flaschen In Signo Tauri Ruster Cuvée aus einer Charge Ruster Trauben. Ab 2000 wird dieser Name für einen Pinot Noir verwendet. Seit 1999 besteht Kontakt mit Gustav Krug in Sachen Weißwein, womit auch diese Sparte abgedeckt ist, wie der mächtige Barrique-Wein namens Albatros, eine Cuvée aus Rotgipfler, Pinot Gris und Chardonnay eindrucksvoll beweist.
Wie sieht nun für Heribert Bayer der ideale Rotwein aus? Gesucht wird nach der physiologischen Vollreife des Ausgangsmaterials: in Neckenmarkt lässt er heute nur mehr sechs statt acht Trauben pro Stock ernten. Angestrebt wird ein hoher Alkohol jenseits der 13 Prozent, aber nicht über 14 Prozent, weil das die Harmonie stört. Es geht ihm um die Terroirtypizität, das gelingt mit alten Rebanlagen am besten, es geht um die Mineralität im Wein. Es hilft keine noch so gute Ertragslimitierung an jungen Anlagen, das Terroir kommt eben noch nicht so gut durch. Er will Weine produzieren, die die Chance haben, sich über viele Jahre zu entwickeln. Rasche Konsumreife ist nicht angestrebt. „Kurz dekantieren und der Wein ist da, spielt es bei mir nicht“, so Bayer, „auf einen Wein von mir muss man auch warten können.“ Sein Lieblingsweingut ist Château Latour, da schätzt er die Unnahbarkeit und Hintergründigkeit, das Andeuten der Klasse, dass der Konsument die Botschaft: „Habe Geduld!” lernen muss. .
Kehren wir abschließend wieder ins Restaurant Steirereck zurück, wo jüngst die besten Rotweine des exzellenten Jahrgangs 1997 in ein kühles Weingrab eingemauert wurden. Als einziger Weinmacher war Heribert Bayer gleich mit drei Weinen vertreten: „In Signo Leonis”, „In Signo Tauris” und „Titan” wurden für das Ehrengrab der besonderen Art ausgewählt. Für Steirereck-Patron Heinz Reitbauer eine klare Sache, ist doch Bayer für ihn schlicht und einfach „der unglaublichste Nichtwinzer Österreichs”.
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